Fokaltherapie

Die organerhaltende Behandlung beim Prostatakrebs ist ein aktuelles Thema.

Bis anhin bezog die Prostatakrebsbehandlung immer das komplette Organ ein.  Derzeit wird in klinischen Studien untersucht, ob auch durch eine gezielte Behandlung des hauptsächlichen Krebsherdes eine Heilung erzielt werden kann.

Bei anderen Krebsarten der Harnorgane ist eine Fokaltherapie seit vielen Jahren Standard, so zum Beispiel bei der Harnblase oder der Niere. Durch die operative Entfernung ausschließlich des tumortragenden Gewebes in der Blase oder der Niere wird die jeweilige Organfunktion erhalten. Dieses reduziert Nebenwirkungen und erhält die gewohnte Lebensqualität weitestgehend.

Beim Prostatakrebs ist die Ausgangslage jedoch ungünstiger. Zum einen finden sich in der Mehrzahl verschiedene unzusammenhängende Krebsherde.  Zum anderen fehlt ein bildgebendes Verfahren, um diese Krebsherde präzise in der Prostata zu lokalisieren. Daher gilt bisher unverändert die allgemeine Empfehlung, die Prostata vollständig behandeln zu lassen, sobald der Krebs die Kriterien einer Behandlungswürdigkeit erfüllt. Da jedoch Prostatakrebs in  vielen Fällen nur langsam wächst und lange keine Beschwerden verursacht, kann oft Jahre mit dem Einleiten einer Behandlung gewartet werden. Hier empfehlen sich jedoch regelmässige Kontrolluntersuchungen im Sinne einer Active surveillance.

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Die Bildgebung des Prostatakrebs hat in den letzten Jahren deutliche Fortschritte erfahren.

Auch in der Schweiz haben sich einige Radiologen auf die Magnet Resonanz Tomographie (MRT) der Prostata spezialisiert und liefern dem Urologen gute Hinweise zur Lokalisation und Ausdehnung des Karzinoms.  Diese Informationen werden u.a. bei der Operationsplanung genutzt, z. B. zur Schonung der Gefässnervenbündel zum Potenzerhalt. Die Weiterentwicklung der MRT der Prostata ermöglicht aber auch zunehmend eine gezielte Gewebeentnahme aus der Prostata und bildet nun die Grundlage zum Studium einer fokalen Tumorbehandlung.

Im Gegensatz zu Harnblase und Niere erscheint es aktuell jedoch technisch nicht lösbar, den Krebsherd in der Prostata chirurgisch zu isolieren und dann zu entfernen. Selbst der Einsatz des Da Vinci Operationsystems wäre hier wenig hilfreich. Daher wird eine energetische Zerstörung des betroffenen Gewebeareals versucht. Mögliche Methoden wären hier hochintensiver fokussierter Ultraschall (HIFU), Radiotherapie, Brachytherapie und die Irreversible Elektroporation (NanoknifeR).

Unstrittig handelt es sich um spannende und vielversprechende neue Entwicklungen beim lokalisierten Prostatakrebs, die aufgrund der unklaren Datenlage jedoch in Rahmen von kontrollierten klinischen Studien durchgeführt werden sollten. Entsprechend ist die Übernahme der Behandlung durch den Versicherer in der Regel nicht gewährleistet. Letztlich muss auch Sorge getragen werden, dass weiterhin nur Prostatakrebspatienten behandelt werden, die einer Therapie bedürfen.  Denn Risiken, Nebenwirkungen und Kosten bestehen auch bei diesen Verfahren.

Lassen Sie sich von Ihrem Urologen kompetent beraten, wenn bei Ihnen die Diagnose eines Prostatakrebs gestellt wurde.  Er ist der Spezialist für die Beratung und Behandlung von Prostatakrebspatienten.